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Das Stück

Auf der Bühne

Der Autor

Jeremias Gotthelf

…sechs Uhr morgens. Im Studierzimmer des Pfarrhauses zu Lützelflüh knisterte schon ein Feuer im offenen Kamin. Eben schob Pfarrer Bitzius zwei Buchenklötze in die Flammen, rieb sich die Hände warm und trat dann einen Augenblick ans Fenster, um in das schlafende Dort hinabzublicken. Es hatte wieder geschneit. Der kalte, unwirtliche Winter des Jahres 1836 wollte kein Ende nehmen.

Pfarrer Bitzius knüpfte den Hausrock zu, setzte sich an seinen Schreibtisch, den Rücken dem Fenster zugekehrt, rückte die Kerze zurecht, zog ein dickes Bündel Blätter aus einer Schublade und begann ohne zu Zögern zu schreiben. Eilig flog die Feder über das Papier, denn die Gedanken drängten. Die Hand vermochte kaum zu folgen. Seit Tagen und Wochen schon sass nun Pfarrer Bitzius jeden Morgen in seiner Studierstube und schrieb, schrieb wie im Fieber. Das war die einzige Zeit des Tages, die ein ungestörtes Arbeiten erlaubte. Ein Buch sollte entstehen, in dem er seinen knorrigen Emmentaler Bauern, und mit ihnen dem ganzen Volk, einen Spiegel vorhalten wollte. Schon lange hatte er den Gedanken mit sich herumgetragen und immer wieder gezögert. Jetzt aber konnte ihn nichts mehr bremsen oder gar aufhalten. Wie die Flut eines Wildwassers brach es aus ihm heraus. Seite um Seite füllte sich, der Pfarrer vergass alles um sich her, hatte nur noch die Männer, Frauen und Kinder vor Augen, die in seinem Buch lebendig wurden…

…Wochen später, der Frühling hatte doch endlich Einzug gehalten, ordnete Pfarrer Bitzius die vielen eng beschriebenen Blätter. Die Arbeit war vollendet, das Buch geschrieben. Zufrieden streichelte er dann seine Katze, die auch jetzt, wie jeden Morgen, als treue Gesellschafterin auf seinem Schreibtisch sass. In einem Wurf und Guss war das Werk entstanden. Nur das Titelblatt fehlte noch. Pfarrer Bitzius zog ein letztes, leeres Blatt aus der Schublade, tauchte die Feder in die Tinte und schrieb: „Der Bauernspiegel, oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst beschrieben“.

So schildert Paul Eggenberg in seiner kleinen, aber brillant geschriebenen und auf fundierten Recherchen basierenden Broschüre des Schweizerischen Jugendschriftenwerkes (SJW) das „epische Genie Gotthelf“ (Gottfried Keller über den Dichter aus Lützelflüh).

Der Bauernspiegel war der erste Roman des Jeremias Gotthelf, der am 4. Oktober 1797 als Albert Bitzius in Murten geboren wurde. Als erster Sohn des Pfarrers Bitzius. 1812, nach einer, gemessen an jener Zeit, gut behüteten Kindheit, trat er ins Gymnasium in Bern ein und 1814 in die Hochschule. Er begann ein Theologie-Studium, das er 1820 mit dem Abschlussexamen erfolgreich abschloss. Nach verschiedenen Studienaufenthalten und Vikariatsstellen, nahm er schliesslich eine Stelle als Vikar in Lützelfüh an (1832). 1836 starb seine Mutter und im selben Jahr erschien sein erster Roman „Der Bauernspiegel“.

Und dann folgten in kurzen Abständen seine weiteren Werke:

1838: „Die Wassernot im Emmental“
1838 und 1839: Die beiden Bände „Freuden und Leiden eines Schulmeisters“
1840: „Die Armennot“
1841: „Uli der Knecht“
1843 und 1844: Zwei Bände „Anne Bäbi Jowäger“
1843 und 1844: „Geld und Geist“
1846: „Der Geltstag“
1847: „Käthi die Grossmutter“
1849: „Uli der Pächter“
1850: „Die Käserei in der Vehfreude“
1852: „Zeitgeist und Bernergeist“
1854: „Die Erlebnisse eines Schuldenbauern“

Neben diesen Werken erschienen in grosser Zahl kleinere Erzählungen, Novellen und Kalendergeschichten, darunter: „“Das Erdbeeri-Mareili“, „Die schwarze Spinne“, „Der Knabe des Tell“, „Der Mordio-Fuhrmann“, „Elsi, die seltsame Magd“.

Am 22. Oktober 1854 verstarb Jeremias Gotthelf, alias Albert Bitzius, in Lützelflüh, wo er vor dem Pfarrhaus seine letzte Ruhestätte fand. Mit Windeseile verbreitete sich die Trauerbotschaft durch das ganze Land: „Jeremias Gotthelf ist tot!“ In Scharen eilten die Leute von Stadt und Land herbei, dem Verstorbenen am Begräbnistage die letzte Ehre zu erweisen. Das Volk fühlte wohl, dass es einen wahren Freund verloren hatte. Daran änderte auch die beschämende Tatsache nichts, dass in den meisten Zeitungen kein ehrendes Wort über den Toten stand. In einem Blatt war sogar zu lesen: „In Lützelflüh ist unser berüchtigter Volksschriftsteller Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius) gestorben. Friede dem Unfrieden.“

Die Zeit begrub manchen Hass, geblieben aber ist das Lautere, das Wahre und Leuchtende, geblieben sind seine Werke. Erst 35 Jahre (!) nach seinem Tod hat ihm seine Gemeinde einen Denkstein errichtet. Die Erinnerung an den grössten Dichter seiner Zeit wurde immer freundlicher. Seit 1942 steht in Lützelflüh auf dem Schulhausplatz ein Gotthelf-Brunnen mit einer prachtvollen Darstellung von „Uli der Knecht“.

Jeremias Gotthelf gehört heute zu den bedeutendsten Autoren und Dichter, welche unser Land je hervorgebracht hat.

Die Theatergruppe Schötz ehrt Jeremias Gotthelf mit schöner Regelmässigkeit. 1996 spielten wir „Hans-Joggeli der Erbvetter“. 2001: „Anne-Bäbi Jowäger, Teil 1“; 2002: „Anne-Bäbi Jowäger, Teil 2; 2008: „Geld und Geist“.