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Das Stück

Theaterproduktion 2008

In "Geld und Geist" spielten mit...

Christen (Heinz Hügi)

Ànneli (Jeannette Arnet)

Resli (Alexander Strebel)

Christeli (Lukas Bühler) und Annelisi (Julia Buob)

Hansueli (Martin Habermacher)

Dorngrüter (Mäni Furrer) und Frau (Luzia Kunz)

Chäuerjoggi (Godi Huser)

Annemareili (Sibylle Steinmann)

Wirtin (Simone Keist)

Ankenmann (Jörg Landolt)

Schreiber (Beat Grüter)

Frau aus dem Dorf (Anita Hügi)

Dichter (Kay Bordasch)

...mit der ganzen Crew.


Aus den Medien:

WB |
Blickpunkt Hinterland
Freitag, 5. September 2008
Willisauer Bote | Wiggertaler Bote Nr. 71 | 9

Dichte Bilder, starke Charaktere

Theatergruppe spielt «Geld und Geist» von Jeremias Gotthelf

Ein Geschenk ans Publikum zum 35-Jahr-Jubiläum der TG Schötz oder einfach die starke Leistung von nach wie vor engagierten Laienspielern: Die Theatergruppe Schötz spielt «Geld und Geist» von Jeremias Gotthelf in der Fassung von Renato Cavoli.

von Willi Bürgi

Das Publikum versammelt sich vor der Scheune von Lisbeth Bossart mitten im Dorf Schötz. Ein Holzstock, ein währschafter Tisch markieren einen Schauplatz. In die gespannte Erwartung schleicht sich sachte der Ton eines Cellos, verträumt, einschmeichelnd. Heinz Hügi schreitet in weiten Zwilchhosen auf den Scheitstock zu, greift nach der Axt. «Christen » nennt ihn Jeannette Arnet, die seine Frau Änneli spielt und einer mittellosen Frau gerade ein paar Eier verschenkt hat. Christen sieht das nicht nur gerne und gibt seinen Kommentar dazu mit der Axt
ab, indem er eifrig Pflöcke hackt. Er ist nicht der Gesprächigen einer, er drückt sein Missbehagen mit der Energie aus, die er in sein Werk legt. Christen macht keine vielen Worte, lässt sich von den Reden derer, die sich besser auszukennen behaupten, überrumpeln und ist am Ende dieser ersten Szene um das Vermögen seines Mündelsärmer. Der hinterlistige Dorfschreiber (Beat Grüter) bringt ihn ums Geld, um damit zu spekulieren. Die Thematik des Stücks ist vorgezeichnet: Es geht um Geld und Besitz und um die Ruchlosigkeit, damit umzugehen. Und es geht um den Geist des Zusammenlebens von Menschen in der Familien- und Dorfgemeinschaft, um Hilfsbereitschaft und um – wie es modern heisst – soziales Gewissen.

Der Keil zwischen zwei Schauplätzen
Die Szene vor der Scheune von Lisbeth Bossart bricht ab (es gibt nach der Pause eine zweite Version). Die Geschichte macht einen Sprung. Das Cello singt im Innern des Hauses und ruft das Publikum zur Fortsetzung unter die mächtigen Dachbalken der Scheune, wo ein langer Laufsteg in die Tiefe der Bühne führt und sich wie ein riesiger Keil zwischen die gegensätzlichen Schauplätze des Stücks, die Stube des Liebiwylhofs und die Küche auf dem Dorngrüt, drängt. Rasch wird klar: das Geld, das Christen zur Spekulation wegschenkte, ist verloren. Damit kehrt ein unguter Geist in Liebiwyl ein. Die beiden Eltern misstrauen sich, und die Kinder leiden unter «der dicken Luft», die fortan in ihrer Stube herrscht. Aber die Geschichte vom Einfluss von Geld und Geist geht weiter. Der jüngere
Sohn Resli verliebt sich in die Tochter eines Geizkragens auf dem Dorngrüt. Dort herrschen raue Sitten, dort wird Sein und Denken vom Geld, der Grösse des eigenen Bodens, der Grösse des Waldes und der Anzahl Kühe bestimmt. Die beiden Alten können nicht mehr mit sich reden. Sie sind gänzlich auf sich geworfen, eingeblockt. Am liebsten würde der Dorngrüter seine Tochter dem Chäuerjoggi (Godi Huser) an den Hals werfen, der schon drei Frauen überlebt hat und jetzt zur Pflege seiner «Gsüchti» eine vierte begehrt.

Ein rüder Handel
Da kommt ihm aber der Resli von Liebiwyl in die Quere – nicht eigentlich, denn der alte Fuchs merkt schnell, dass er da auch für ihn etwas herausschauen könnte. Der Dorngrüter geht unzimperlich zu Werk. Er fühlt sich wie der Herr nicht nur über das Dorngrüt, sondern auch über den Liebiwylhof und treibt für Annemareili, seine Tochter, einen rüden Handel voran. Die beiden könnten einander haben, meint er, aber am liebsten sähe er es, wenn der Resli bald nach dem abgeschlossenen Handel umkäme. Schliesslich ist der schon einmal nach einer Schlägerei beim Dorngrüter gelandet, aufgelesen von Annemareili, die ihn pflegte. Jeremias Gotthelf gibt den für ihn logischen Ausweg vor. Durch den nahenden Tod von Mutter Ännali, die sich bei der Krankenpflege in der Nachbarschaft angesteckt hat, zieht sie das junge Paar zu sich ans Sterbebett. Annemareili tritt ihre Nachfolge im Liebiwylhof an.

Sturheit und guter Geist
Es gibt zwei dominierende Personen in diesem Stück, den Dorngüter (Mäni Furrer) mit seiner bockigen Sturheit, die sich nur auf Besitz ausrichtet, und Mutter Ännali auf dem Liebiwylhof, die die Umsicht, das soziale Gewissen, den guten Geist einer ganzen Familie verkörpert. Der Dorngrüter wird begleitet von seiner von der Fühllosigkeit abgestumpften Frau (Luzia Kunz-Limacher) und dem jungen einfühlsamen, aber von der Herrschsüchtigkeit des Vaters überforderten Annemareili (Sibylle Steinmann). An der Seite der eigentlichen Heldin des Stückes, der Mutter
Änneli, stehen neben Christen deren drei Kinder (dargestellt von Alexander Strebel, Lukas Bühler und Julia Buob).

Die Kraft der Berner Mundart
Gotthelf hat nicht eine Abfolge von Rührszenen vorgegeben. Er hat aus der Bauerngeschichte vielmehr einen Archetypus menschlichen Zusammenlebens geschaffen. Regisseur Renato Cavoli (Ko-Regie Beat Grüter) hat aus dem nicht nur wortreichen, sondern auch bildstarken Roman eine knappe Theaterfassung gezogen, die von der Kraft der Berner Mundart lebt und sich in der Inszenierung der starken Bilder bei Gotthelf und der starken Personen, die da aufeinander stossen, zu bedienen weiss. Cavoli hat die kräftigen Züge der Figuren in die Aufführung hinübergebracht. Sorgfältig und bis ins Detail erarbeitet, lassen sie den Zuschauer nie hängen und werden doch durch die subtile Lichtregie (Leo Steinmann) und die Cello-Überleitungen (Cornelia Leuthold/ Jodok Vuille) in den Pausen in das grosse Ganze eingebettet. In die Zusammenhänge stellt auch Kay Bordasch mit seinem Einschüben aus dem Original von Gotthelf das Geschehen auf der Bühne. Für das dichte, authentische und engagierte Spiel dankte das Publikum zum Ende der Premiere am Mittwoch mit betroffenem, lang anhaltendem Applaus.

Das Stück
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